Türkçeyi anlamak için 600 milisaniye
Aramızda simultane çevirmenlik yapanlarımızın bildiği güçlük şimdi bilimsel olarak araştırılmış:
ODTÜ bünyesinde kurulan Beyin Dil Araştırmaları Laboratuvarı’nda, diller üzerine yapılan araştırmada, beynin Türkçe cümleleri anlamak için, 2 kez işlem yapması gerektiği ortaya çıkarılmış.
“Türkçeyi anadili olarak konuşanlarda 400’üncü milisaniyede ve 600’üncü milisaniyede bir beyin yanıtı meydana geliyor. İngilizce ve Almanca gibi dillerde düz cümlelerde sadece 400’üncü milisaniyede bir yanıt meydana geliyor. Türkçe’de fiillerin cümlenin sonunda yer alması nedeniyle, cümlenin anlaşılması için kişi, cümleyi baştan sona kadar zihninde tutuyor ve fiilin okunmasıyla cümleyi zihninde tekrar oluşturuyor .”
Doç. Dr. Gülay Ediboğlu-Cedden
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Das überrascht mich nicht. Und es gilt meiner Meinung nach nicht nur für Simultandolmetscher, sondern auch für Übersetzer (wie jetzt mich zum Beispiel), die grundsätzlich mit sehr hohem Tempo übersetzen (Durchschnitt: 70 bis 120 Normzeilen pro Stunde), weil sie ebenfalls unter intensivem Zeitdruck arbeiten. Der einzige Unterschied zum Simultandolmetscher besteht darin, dass der Übersetzer das Ende des türkischen Satzes und somit das allesentscheidende Verb auf einen Blick sehen kann, sofern er ein geübtes, schnelles Auge hat. Der Simultandolmetscher muss hingegen tatsächlich "abwarten", bis der Sprecher das Verb am Ende des Satzes ausgesprochen hat. Die geistige Leistung des Übersetzers, der es oftmals mit sehr komplexen türkischen Schachtelsätzen zu tun hat, ist jedoch meines Erachtens keineswegs geringer einzuschätzen. Schade, dass diese Wissenschaftler dieselbe Studie nicht auch mit Übersetzern durchgeführt haben.
Es ist nicht richtig, konsekutives und/oder simultanes Dolmetschen mit Übersetzung zu vergleichen, das sind ein paar ganz andere Schuhe. In Einzelhheiten möchte ich z.Z. nicht eingehen.
Beim Übersetzen werden meiner Meinung nach ganz andere Bereiche des Sprachzentrums im Gehirn aktiviert als beim Dolmetschen. Genau deshalb hätte ich mir ja gewünscht, dass es auch eine entsprechende Vergleichsstudie zum Thema Übersetzung gibt. Da sind zwar große Parallelen, aber letztlich sind die Unterschiede zwischen diesen beiden Jobs doch viel zu gravierend. Keine Angst, ich bin mit Sicherheit der letzte Mensch auf der Welt, der das Dolmetschen und das Übersetzen in einen Topf wirft. Ich bin sogar der Meinung, dass die technischen und anatomischen Unterschiede zwischen Dolmetschen und Übersetzen umso größer sind, je höher das Niveau ist, auf dem gedolmetscht bzw. übersetzt wird. Man nehme einen Topdolmetscher, der eine Stunde lang auf einem Fachseminar nonstop simultan dolmetscht, bis ihm die Ohren dampfen; und dazu nehme man einen Topübersetzer, der in einer Stunde 100 Zeilen schwersten Fachtext mit Schachtelsätzen übersetzen muss. Dann analysiere man die Techniken, die die beiden benutzt haben, und die Gehirnareale, die bei beiden jeweils aktiviert wurden, und man wird garantiert feststellen, dass sich die beiden Tätigkeiten in mehrfacher Hinsicht voneinander unterscheiden wie Tag und Nacht.
Ja, Du hast mit Deinen Ausführungen recht, es sind verschiedene Aufgaben- und Fachbereiche. Wie es nun medizinisch aussieht, bin ich überfragt. Dass es aber um Stressberufe geht, die wirklich nicht zu unterschätzen sind, ist ja bekannt und hier oft diskutiert/dargelegt worden. Als Hintergrundsinformation möchte ich hinzufügen, dass alle Konferenzdolmetscher in der Türkei (in allen Sprachrichtungen) zugleich Übersetzer sind, so dass ihnen die Vor- und Nachteile in beiden Fachgebieten bestens bekannt sind.
... der in > einer Stunde 100 Zeilen schwersten Fachtext mit
Dass es mir persönlich keine große Freude machen würde, steht außer Frage.
Bei mir ist es genauso, aber umgekehrt: Für mich ist komplexes Übersetzen unter hohem Zeitdruck fast gar kein Stress, nur wenn es über den ganzen Tag geht.
Simultandolmetschen für die Industrie unter hohem Stress und Zeitdruck war für mich jedoch immer der Horror: Ich hatte stets extremes Lampenfieber und manchmal auch Wortfindungsschwierigkeiten, was mir sehr peinlich war. Es dauerte immer Stunden, bis ich mich beruhigt hatte und der Motor "warmgelaufen" war. Daher habe ich vor ca. 10 Jahren damit aufgehört.
Ich gehe nur noch 2-3 Mal pro Jahr zu neurologischen, psychiatrischen oder orthopädischen Begutachtungen zur Klärung von Rentenansprüchen (Fachärzte und Krankenhäuser). Dolmetschen bei Polizei, Gerichten und anderen Behörden hab ich sowieso nur ganz selten gemacht. Das Dolmetschen bei fachärztlichen Begutachtungen hab ich zwischen 1990 und 2000 weit über 100 Mal gemacht und finde es auch heute noch hochinteressant; in diesem Bereich hatte ich auch niemals Lampenfieber und Wortfindungsschwierigkeiten, sondern nur bei Simultaneinsätzen für Wirtschaft und Industrie. Ich möchte das nie wieder machen und bin schon ein bisschen neidisch auf die Dolmetscher, die keinerlei Probleme damit haben. Hast du denn niemals Lampenfieber mit Wortfindungsschwierigkeiten?
Lampenfieber habe ich seit Jahren nicht mehr, irgendwann, wenn auch die Zustimmung/Würdigung kommt, wird es zur Routine, so dass souverän vorgegangen werden kann. An dieser Stelle ist zu erwähnen, dass wir auch hier unbedingt zwischen konsekutivem und simultanem Dolmetschen unterscheiden müssen. Wie es beim Übersetzen ist, gibt es auch in diesen Fachgebieten die verschiedensten Voraussetzungen, um erfolgreich zu sein oder überhaupt in den Beruf eignsteigen zu können. Hier gilt insbesondere, dass die Welt der Konferenzdolmetscher sehr klein ist und im Gegensatz zu Übersetzungen negative Vorfälle sofort bei Kollegen/innen und Kunden bekannt werden/würden. Ich könnte stundenlang berichten, was aber den gegenwärtigen Rahmen sprengen würde.
Bei mir hat das mit Zustimmung und Würdigung nichts zu tun. Es ist ein psychologisches Phänomen.
Bei Übersetzungen kann es auch jederzeit auffallen. Übersetzungen werden ja schließlich nach der Lieferung innerhalb von Minuten bis wenigen Stunden von den Fachleuten der Zielsprache gelesen, und diese geben in der Regel sofort ein Feedback an ihren Ansprechpartner, ob die Übersetzung brauchbar ist oder nicht, und dieser leitet das Feedback dann sofort an das Übersetzungsbüro oder an den Übersetzer weiter.
Außerdem können schlechte Übersetzungen jederzeit anderen Übersetzern in die Hände fallen. Die meisten Firmen/Endkunden und Übersetzungsbüros leiten bei einem Folgeauftrag frühere, anderweitig angefertigte Übersetzungen an den neuen Übersetzer weiter und dieser gibt dann automatisch sein negatives Feedback an seinen Auftraggeber weiter.
Schlechte Übersetzungen und schwache Übersetzer können also in der Industrie und Wirtschaft unmöglich längere Zeit verborgen bleiben. Ganz anders bei Aufträgen von Privatkunden: Bei einzelnen Urkunden kommt es in der Regel niemandem auf echte Qualität an, sondern es geht nur darum, dass ein Übersetzerstempel (yeminli tercüman, allg. beeidigter Übersetzer usw.) drunter ist.
Man muss sich halt die Frage stellen, ob ein geschäftstüchtiger Konferenzdolmetscher, der beim Dolmetschen ständig Fehler macht und Fachbegriffe falsch übersetzt/verwechselt und von den Konferenzteilnehmern auch mehrfach darauf hingewiesen wird, aus diesem Grund gleich die Arbeit niederlegen und mit diesem Unfug aufhören würde. Ich fürchte ja eher, er wird ganz normal weitermachen und versuchen, sich mit seiner unzureichenden Qualifikation irgendwie von Woche zu Woche durchzumogeln, und er wird dabei in Kauf nehmen, jederzeit aus einer laufenden Konferenz rauszufliegen, wenn der von ihm fabrizierte Müll irgendwann unerträglich geworden ist.
Mit anderen Worten, schlechte Konferenzdolmetscher werden sich in der Regel genauso verhalten wie die mit einer hohen Fehlerquote behafteten Übersetzer. Sie werden die Verluste und Reklamationen in Kauf nehmen und ganz normal weitermachen.
Der Anteil wirklich hervorragender Übersetzer und Dolmetscher an der Gesamtzahl aller Sprachmittler liegt wahrscheinlich bei unter fünf Prozent.
Jon, ich bin im Allgemeinen Deiner Meinung. Da jedoch die Zahl der Konferenzdolmetscher sehr gering (nicht mehr als 150 für alle Sprachen, Deutsch-Türkisch um die 15 in der TR) ist und man permanent im Rampenlicht steht, fallen negative Leistungen sofort auf, so dass Kunden und Kollegen sich dann scheuen, weitere Aufträge zu vergeben und ein Risiko einzugehen, denn Fehler, können bei der Verdolmetschung kaum korrigiert bzw. schwer wiedergutgemacht werden. Dafür sind Fehler in Übersetzungen ewig und existieren als konkrete Beweismittel, was auch eine extreme Vorsicht voraussetzt. Im Endeffekt haben wir nicht unbedingt einfache Berufe ausgewählt. Dazu kommt noch, dass ein enormer Aufklärungsbedarf besteht, da der große Teil der Gesellschaft völlig falsche Vorstellungen hat.
Mein Gott, was hab ich nicht schon alles erlebt... Firmenkunden, die ihrer Putzfrau oder ihrem Müllmann meine Übersetzungen zum Korrekturlesen gaben... Privatkunden, die das fachärztliche Rentengutachten und das Urteil des Landgerichts natürlich auch selber hätten übersetzen können (aber klar doch!), wenn sie nur diesen läppischen "yeminli mühür" besäßen... Privatkunden, die 5 volle Seiten Text vorbeibringen und dann sagen: "Bunu bi seyahat acentesine tercübe ettirecektim, 30 yuro istediler [hahaha!!!], ama mühürlü olması lazımmış. Gel sen şunu 20 yuroya yap, ben arabayla şöyle bi şehire kadar gidip bi işimi halledeyim, yarım saate yine burda olur tercübeyi alırım, anlaştık mı?" Da fragt man sich doch: Warum lassen diese Leute sich nicht selber so einen mühür machen? Kostet im Schreibwarenladen nur 20 Euro. Man kann's ja mal versuchen, oder? :)
Die Kollegen, die sich ständig mit diesen unverschämten Leuten herumschlagen müssen, tun mir nur leid.
Na ja, zum Glück arbeite ich ausschließlich mit Kunden zusammen, die selber im Übersetzergeschäft tätig sind und somit genau wissen, was ein Übersetzer oder Dolmetscher drauf haben muss, um permanent Leistung zu bringen.
Mir fällt das simultane Dolmetschen nur in meinem Fachgebiet (türkische und deutsche Rentenversicherung) leichter, als das konsekutive Dolmetschen. Beim konsekutiven Dolmetschen muß ich mir immer kleine Notizen machen, um den Text nicht zu vergessen, weil die Herrschaften in der Türkei manchmal vergessen, die Rede mal kurz zu unterbrechen, so dass es übersetzt werden kann. Beim simultanen Dolmetschen geht das Übersetzen leichter, da muß ich mir nichts merken. Da ist das Gehirn schneller, als das Nachdenken. Meine Kollegen sind jedoch schweißgebadet, wenn sie simultan dolmetschen. Ich könnte mir aber nicht vorstellen, in den Themen, in denen ich mich nicht heimisch fühle, zu dolmetschen. Daher meine Hochachtung zu den wenigen Simultandolmetschern!
Ich selbst verfalle beim Konsekutivdolmetschen immer wieder ins Simultane; wenn ich also in einer Sitzung mit Medizinern und Patienten bin, dann vergessen die meist, dass ich noch da bin, weil ich einfach immer nebenher plappere... Ich habe selbst schon im Fernsehen simultan gedolmetscht und habe bislang Lampenfieber immer erfolgreich ausblenden können. Dazu gehört natürlich eine ordentliche Portion Selbstsicherheit und natürlich muss man auch die Sprachen dementsprechend beherrschen.
Dass endlich die besondere Schwierigkeit wissenschaftlich bestätigt wurde, die die türkische Satzmorphologie mit sich bringt, finde ich positiv.
Gruß,
Hudaverdi
Meiner Kollegin ist oft passiert, dass die türkischen Redner so höflich sind und die Rede unterbrechen, damit die Übersetzerin konsekutiv übersetzen kann. Sie vergessen aber manchmal, dass sie mitten im Satz unterbrochen haben. Also kein Verb!:X
Also gut, ich verrate euch jetzt den Grund für mein unsägliches Lampenfieber beim Dolmetschen. Ich hatte Anfang der 90er ein traumatisches Dolmetsch-Erlebnis, das meine gesamte Karriere nachhaltig geprägt hat und dafür verantwortlich ist, dass ich mich schon damals hundertprozentig aufs Übersetzen spezialisiert habe.
Zu dem Zeitpunkt war ich erst seit 3-4 Jahren als Übersetzer aktiv und noch sehr draufgängerisch und leichtsinnig veranlagt. Ich hatte damals schon ziemlich viel Erfahrung mit Dolmetscheinsätzen bei fachärztlichen Begutachtungen (die für mich wie gesagt nie ein Problem waren, da ich mich in Medizin damals schon gut auskannte) und dachte, dies würde als Erfahrung für einen mehrtägigen Industrie-Dolmetscheinsatz irgendwie ausreichen. Dabei hatte ich zum damaligen Zeitpunkt noch nie einen Text aus der Industrie übersetzt, geschweige denn gedolmetscht. Die türkische BWL-Terminologie kannte ich damals auch nicht. Auch dies sollte mir zum Verhängnis werden. Ich machte nämlich einen der größten Fehler meines Lebens: Ich nahm einen 5-tägigen Dolmetschauftrag bei einem deutschen Technologiekonzern an, nur weil das mir angebotene Honorar so hoch war. Obwohl ich mir vorher Unterlagen schicken ließ und versuchte, mir die völlig fremde Terminologie und Thematik irgendwie einzuprägen, nahm die Katastrophe ihren Lauf.
Ich kam am Montagfrüh in einen Besprechungsraum rein und musste von der ersten Sekunde an Bilanzen und Gewinn- und Verlustrechnungen, statistische Gewinnprognosen und technische Schaubilder bei einer Präsentation simultan dolmetschen. Ich hatte in keinem dieser Themenbereiche auch nur ansatzweise Erfahrung; ich hatte damals noch nie so etwas übersetzt, und gedolmetscht schon gar nicht. Es war die Hölle. Danach musste ich bei einer stundenlangen Besichtigung technischer Anlagen im Beisein der Konstrukteure und Ingenieure simultan dolmetschen; es fielen Hunderte von Fachbegriffen, die ich noch nie gehört hatte. Fragt mich nicht, wie ich das Ganze überstanden habe. Danach gab es ein feierliches Bankett für einen Berater der türkischen Regierung in Energiefragen (natürlich auch simultan), so etwas hatte ich auch noch nie live miterlebt, geschweige denn gedolmetscht. Es war oberpeinlich, ich war dort völlig fehl am Platze.
Ich bin an den ersten drei Tagen mehrere Tode gestorben, wie man so schön sagt. Ich habe mich in Grund und Boden geschämt und bin immer wieder heimlich auf die Toilette gerannt, weil ich meine Tränen kaum noch zurückhalten konnte. Einmal erwischte mich einer der Ingenieure beim Weinen vor dem Spiegel auf dem Klo und sprach mir daraufhin ganz lieb Mut zu, aber es hat nichts gebracht, der psychische Schaden war bereits geschehen.
Die nächsten Tage waren kaum besser. Erst am Donnerstagnachmittag, also am 4. Tag, war ich einigermaßen warmgelaufen, auch wenn ich natürlich weiterhin keine Ahnung von den technischen und betriebswirtschaftlichen Fachbegriffen hatte, die ständig genannt wurden, da ich weder die Erfahrung noch die Qualifikation für so einen Einsatz besaß.
Dieser Dolmetschauftrag hätte nicht von einem Grünschnabel wie mir damals, sondern von einem türkisch-deutschen Fachdolmetscher mit abgeschlossenem Maschinenbaustudium und weitreichenden Kenntnissen in Betriebswirtschaft durchgeführt werden sollen.
Es kam eine heftige Reklamation des Kunden, ich habe 30 Prozent Nachlass gewährt und die nächsten 10 (!) Jahre regelmäßig von dieser Sache geträumt (die schlimmsten Träume, die man sich nur vorstellen kann). Ich kann sagen, dass ich dieses psychische Trauma erst vor wenigen Jahren endgültig verarbeitet habe und nicht mehr nachts davon träume. Das Erlebnis hat mich also fast 15 Jahre lang gequält.
Daher mein krankhaftes Lampenlieber bei Dolmetschaufträgen, bei denen ich nicht weiß, was auf mich zukommt (daraus ist übrigens leider auch eine Prüfungsangst vor mündlichen Prüfungen und ähnlichen Situationen entstanden). Daher die Entscheidung, nie wieder dolmetschen zu gehen (außer in Bereichen, in denen ich einschlägige Dolmetscherfahrung habe). Daher die Entscheidung, mich hundertprozentig auf das Übersetzen zu konzentrieren. Wie gesagt, bezieht sich dieses Lampenfieber nicht im geringsten aufs Übersetzen. Ich kann selbst die schwersten Texte völlig angstfrei und selbstbewusst auch unter größtem Termindruck einwandfrei übersetzen und habe mehr als 20 Jahre Erfahrung darin, in vielen unterschiedlichen Fachgebieten meinen Mann zu stehen. Ich bin aufs schriftliche Übersetzen spezialisiert wie wahrscheinlich kaum ein anderer. Aber dolmetschen? Nein, danke. Dieser Zug ist für mich schon Anfang der 90er abgefahren.
Ich hoffe, dass die vielen jungen Kollegen, die hier mitlesen, etwas daraus lernen und nicht denselben Fehler machen wie ich damals. Zwar ist nicht jeder so unglaublich leichtsinnig und sensibel, wie ich damals war. Aber glaubt mir: Ihr wollt nicht wissen, wie es ist, so einen katastrophalen Reinfall zu erleben. Macht nicht denselben Fehler wie ich. Und das gilt auch für Übersetzungen: BiItte nehmt niemals Texte an, in deren jeweiligem Fachgebiet ihr nicht wirklich kompetent genug seid. Überlasst solche Aufträge bitte unbedingt den Profis.
Vielen Dank und Respekt für Deine Offenheit Jon. Davon sollten sich so einige eine Scheibe abschneiden. Jon, Du hast dich dafür in der Welt der schriftlichen Übersetzung auf das höchste Niveau, wo sich auch nur wenige befinden, hochgearbeitet, was ich sehr schätze. Außerdem könntest Du ohne weiteres als Dozent tätig sein, was auch nur die Wenigsten könnten. Ich bin mir sicher, dass Du auch als Konferenzdolmetscher sehr erfolgreich geworden worden wärst, wenn die Rahmenvoraussetzungen gestimmt hätten. Damit meine ich, wenn Du vorher oft/lange mit erfahrenen Kollegen/Kolleginnen gearbeitet und dir verschiedene Techniken angeeignet hättest, die Möglichkeit gehabt hättest, Dich sehr gut vorzubereiten (wenn Dir z.B. Unterlagen, Reden etc. vorher gegeben würden - was übrigens selten ist) etc. Ich erlebe oft, dass Kollegen/innen oder Personen, die nicht vom verwandten Berufen sind, von ihren Erlebnissen als Konsekutiv- und Simultandolmetscher berichten, da sie mal hier oder da mal derartige Dienste erwiesen haben. Mehrere Male habe ich erlebt, dass z.B. in den USA/Deutschland gut ausbgebildete und promovierte Fachleute (Arzte, Juristen) in die Kabine kamen, geschickt oder beauftragt wurden und meinten sie könnten es, weil sie sich in diesem Themanbereich gut auskennen. In fast allen Fällen war es die reinste Katastrophe, weil sie eben der Technik des konsekutiven oder simultanen Dolmetschens nicht vertraut waren. Ich kann auch Tennis spielen, ich bin noch lange kein Profi. Als ein Anhaltspunkt kann man sagen, dass junge Kollegen/innen mit rund 100-200 Einsätzen (Tage) als Kandidaten (z.B. im Verein) und solche mit über 1000 Einsätzen als erfahrene Konferenzdolmetscher gezählt werden können. Die Profis haben bereits über 2000-2500 Einsätze auf dem Buckel. Der Meinung, dass man auch noch den Beruf des Konferenzthemas haben sollte, ist zwar Idealfall aber in der Praxis nicht möglich, fast alle Konferenzdolmetscher sind Genaralisten und lernen tagtäglich hinzu. Im Endeffekt ist jeder Konferenzdolmetscher so gut wie die Redner es sind...
Lieber Ultima,
zunächst einmal vielen herzlichen Dank für deine Einschätzung über mich als Übersetzer.
Konferenzdolmetscher zu sein, wäre aber vielleicht nie so ganz mein Ding gewesen, denn das Schreiben und schriftliche Arbeiten in unterschiedlichen Sprachen und Fremdsprachen ist schon seit frühester Jugend meine Stärke gewesen. Ich glaube, aus mir wäre nie ein sehr guter Konferenzdolmetscher oder Redner geworden.
Mit dem, was du weiter unten schriebst, hast du Recht: Ohne Beherrschung der notwendigen Dolmetschtechniken wäre auch der erfahrenste Ingenieur oder Facharzt als Dolmetscher völlig wertlos.
Hoffentlich konnte ich mit meiner Offenheit einige Leute, die hier mitlesen, dazu bringen, dass sie mal ganz ernsthaft darüber nachdenken, ob das Übersetzen wirklich das Richtige für sie ist. Denn bei manchen Menschen, deren Beiträge und Übersetzungsvorschläge ich im Forum lese, habe ich den Eindruck, dass das Übersetzen wahrscheinlich nicht der richtige Beruf für sie ist. Das meine ich keineswegs abwertend, sondern ganz realistisch: Jeder Mensch hat seine eigenen Begabungen. Ich wäre ja schließlich auch nicht in der Lage, plötzlich als Bauzeichner oder Unternehmensberater zu arbeiten, ich hätte weder das natürliche Talent noch das nötige Fachwissen, um solche Berufe auszuüben.
Doch was ein Übersetzer auf jeden Fall können muss, ist absolut fehlerfreies Formulieren und Schreiben in den Sprachen, in die er hin- und herübersetzt. Das war vielleicht mein großer Vorteil damals 1987/88, als ich mich langsam an den Job herantastete und dann richtig damit anfing: Ich hatte von Anfang an überhaupt keine Probleme mit der türkischen und deutschen (und auch der englischen) Grammatik und Rechtschreibung, ich konnte in diesen Sprachen fehlerfrei schreiben. Eine hohe Aufmerksamkeit und überdurchschnittliche Beobachtungsgabe sollte meiner Meinung nach jeder Schreibberufler haben, sonst sind Rechtschreib-, Grammatik- und Syntaxfehler praktisch unvermeidlich.
Genau diese Eigenschaften vermisse ich jedoch bei vielen Kollegen, die im Forum aktiv sind. Ich frage mich, ob sie dieselben Fehler, die sie hier beim Schreiben machen, in ihren Übersetzungen vielleicht auch machen, und wenn ja, dann muss ich sagen, dass sie sich wahrscheinlich den falschen Beruf ausgesucht haben. Denn ein Journalist, der nicht fehlerfrei schreiben kann, obwohl er Tag für Tag von seinen Kollegen demonstriert bekommt, wie man's richtig macht, würde ja auch nicht mehr als Journalist arbeiten, er würde früher oder später sogar seinen Job verlieren. Doch Übersetzer, die so eine "Schreibschwäche" haben, sind ja in der Regel selbständig, und da sie ihre Fehler selber gar nicht bemerken, machen sie ungehindert weiter.
Mein Fehler damals (also der besagte Dolmetscheinsatz) hatte zwar fürchterliche Folgen, aber er hat mich immerhin auf den richtigen Weg geführt. Ich wünsche allen, dass sie die richtigen Entscheidungen für ihr Leben treffen und sich genau wie ich von allen unrealistischen und falschen Vorstellungen über ihre Begabungen verabschieden. Man muss immer realistisch sein und sich selbst kritisch (als Außenstehender) beobachten. Nur so lernt man, seine wahren Talente zu entdecken und positiv zu nutzen.
Hallo Jon,
ich schließe mich Ultima Ratio vorbehaltslos an. Es gibt wirklich nicht so viele Übersetzer für Türkisch-Deutsch auf deinem Niveau. Chapeau!
LG
Mustafa
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