Über mich: Die Geschichte hinter DasSözlük
„Ja, aber wer bist du überhaupt?“ Eine ähnliche Nachfrage auf einer Social-Media-Plattform zum neuen DasSözlük hat mich dazu gebracht, diesen „Über mich“-Reiter einzuführen. Der User hat im Grunde genommen völlig recht: Nicht jeder kennt mich oder die Geschichte, die hinter DasSözlük steckt. Andererseits muss man mich oder die Vergangenheit der Plattform auch nicht zwingend kennen, um sie zu nutzen. Dieser Text richtet sich also an all diejenigen, für die solche Hintergründe spannend sind.
Die Geburtsstunde (1999): Ein Kinderwörterbuch wird digital
Die Idee zu DasSözlük – damals noch unter dem Namen „MyDictionary“ – entstand Anfang 1999 in Hamburg aus einem Gespräch mit einer Muttersprachenlehrerin für Türkisch. Ich arbeitete damals als freiberuflicher Journalist und allgemein beeidigter Dolmetscher und Übersetzer. (Meine erste Beeidigung erhielt ich übrigens 1998 als Student vor dem Landgericht Oldenburg). Sie fragte mich, warum es eigentlich kein gutes Türkisch-Deutsch-Wörterbuch für Kinder mit Türkei-Bezug gebe. Ich verstand das als Auftrag und schrieb in monatelanger, intensiver Arbeit ein solches Kinderwörterbuch.
Leider fand ich nirgends einen Verlag dafür. Bei der Überlegung, wie man das Material stattdessen nutzen könnte, kam mir durch einen Informatiker und Musiker-Freund, mit dem ich in einer Band spielte, die zündende Idee: Ein Online-Wörterbuch nach dem Vorbild von leo.org. So ging 1999 MyDictionary an den Start.
Und wie! MyDictionary war von Anfang an ein voller Erfolg und gehörte schnell zu den angesehensten türkischsprachigen Websites in Deutschland. Das motivierte mich, die Datenbank jeden Tag zu erweitern. Ich verbrachte viele Nächte damit, sogenannte „Null-Treffer“ – also Suchanfragen ohne Ergebnis – manuell zu übersetzen und einzupflegen. Es bildete sich rasch eine aktive Community im dazugehörigen Forum, deren Impulse und Mitarbeit dem Wörterbuch enorm zugutekamen.
Erfolge, Rückschläge und die Abhängigkeit von der Technik
Menschen machen Erfolge, Erfolge machen Menschen. MyDictionary scheiterte letztlich daran, dass der beteiligte Informatiker mich offenbar für ersetzbar hielt. Informatiker waren in der damaligen Zeit die „Halbgötter“ des Internets, ohne die absolut nichts funktionierte. Wie auch immer: Ich verließ das Projekt, nahm meine neu entstandene Datenbank mit und rief mit einem anderen Hamburger Entwickler, den ich über die Serverbetreuung kennengelernt hatte, die Nachfolgeprojekte SuperSozluk und CafeUni ins Leben.
In dieser Anfangszeit wollte leo.org mir meine Datenbank sogar abkaufen und bot mir eine Redakteursstelle an. Ich lehnte ab und steckte meine gesamte Energie in das neue Projekt. Bei CafeUni entstand ein riesiges Forum, und die Datenbank erreichte einen unvergleichlich wertvollen Zustand. Finanziell gesehen war dies die „goldene Zeit“ meines Wörterbuch-Projekts, da ich zumindest die Ausgaben vollständig decken konnte.
Die Sache hatte jedoch zwei Haken: Ich war komplett auf den Informatiker angewiesen, und die Werbeeinnahmen waren zu niedrig, um ihn ordentlich zu bezahlen oder selbst davon leben zu können. Auch dieser zweite Entwickler überschätzte seine Schlüsselfunktion, und unsere Wege trennten sich. Obwohl er kein einziges Wort Türkisch spricht, betreibt er bis zum heutigen Tag eine Kopie des damaligen CafeUni im Internet. Meine rechtlichen Bemühungen dagegen blieben erfolglos – wie heißt es so schön: Recht haben und Recht bekommen sind zwei unterschiedliche Dinge.
Die Rettung durch DasSözlük und der Umweg über die Gastronomie
2014 stellte ich dann mit Hilfe meines guten Freundes und Verwandten, dem IT-Ingenieur Süleyman Kıvanç Ekici, das erste DasSözlük ins Netz. Die Arbeit vieler Jahre war gerettet, Kıvanç bin ich bis heute unendlich dankbar dafür! Die finanzielle Situation der Plattform war dadurch aber nicht besser. Das Wörterbuch verlangte intensive Pflege, doch ich musste als Gerichtsdolmetscher und Journalist (unter anderem für den WDR, BBC, Hürriyet) arbeiten, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen.
Mein Umzug von Berlin nach Leipzig zwang mich, den Journalismus aufzugeben, da ich mein Auftragsgebiet verlassen hatte. Weil das Dolmetschen allein nicht reichte, eröffnete ich kurzerhand ein Café in Leipzig: das Café feinOST. Die Gastronomie forderte mich derart, dass DasSözlük unter diesem „Liebesentzug“ massiv litt. Die Nutzerzahlen brachen ein, nicht mal ein Zwanzigstel der User war noch da. Zudem fehlte ein Informatiker, der sich regelmäßig um die Technik kümmerte.
Nachdem ich das feinOST verkauft hatte, kehrte ich voll in meinen Beruf als Übersetzer und Dolmetscher zurück – und hatte plötzlich wieder etwas mehr Zeit für mein Wörterbuch.
Hallo Kollege KI! Mein neuer Informatiker
Vor zwei Jahren reifte nach einem ausführlichen Telefonat mit Kıvanç eine verrückte Idee: Künstliche Intelligenz wird mein neuer Informatiker! Mit Hilfe der KI habe ich die Datenbank von Duplikaten und Fehlern bereinigt, die 15 Jahre alte Technologie restlos abgeschafft und das Fundament für das heutige DasSözlük gelegt.
Nach teils sehr intensiver Arbeit ist die jetzige Plattform entstanden. Ich bin also Informatiker, Redaktionsleiter und Geschäftsführer in einer Person geworden. Die größte Gefahr für das Projekt – die absolute Abhängigkeit von der externen Technik – ist damit endlich abgewehrt.
Vom Diplom-Ökonom zum Wörterbuch-Entwickler
Mein Weg hierhin war alles andere als geradlinig. 1994 habe ich meinen Abschluss als Diplom-Ökonom an der Dokuz Eylül Universität gemacht. Danach war ich lange Zeit als Übersetzer und freier Reporter unterwegs.
Seit Mitte 2024 konzentriere ich mich wieder voll auf Dolmetscher-Aufträge und meine digitalen Projekte – unter anderem DasSozluk.com, BuHa.pro und SmartNextOwner (in Entwicklung). Wenn ich nicht gerade mit Hilfe der KI am Code und Design meiner Projekte feile, bilde ich mich im Bereich Finanzbuchhaltung weiter. Ich verfolge die Entwicklungen bei Künstlicher Intelligenz und Robotik sehr intensiv, weil ich glaube, dass das unsere Art zu lernen und zu übersetzen komplett verändern wird.
Und wenn der Laptop mal zugeklappt ist? Dann verbringe ich die Zeit mit meiner Familie und spiele für meinen Verein, den SC Rote Rüben Leipzig, gerne eine Partie in der Schachliga. Diejenigen, die so schachverrückt sind wie ich, werden jetzt hellhörig: Ich bin mit meiner DWZ von ca. 1750 ein grundsolider, aber durchschnittlicher Spieler.
DasSözlük ist nach wie vor ein Projekt, das kein Geld einbringt. Es ist fast verrückt, dass ich es bis heute nicht aufgegeben habe. Das liegt einzig daran, dass es für mich nicht einfach nur eine Website ist, sondern ein echtes Herzensprojekt, das mit mir gewachsen ist.
Ich freue mich, dass du hier bist und die Plattform nutzt! Wenn du Fehler findest oder Ideen hast, schreib mir einfach – das Projekt lebt von eurem Feedback und eurer Unterstützung.
Herzlichst,
Mustafa